Das KIT-Projekt
In den vier Einzelunterkünften in und um Tübingen leben insgesamt 60 Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 17 Jahren, die verteilt sind auf die Unterkünfte in der Liststraße, der Herrenbergerstraße, der Ernst-Bloch-Straße und der Sindelfinger Straße. Das KIT (Kinder in Tübingen)-Projekt findet einmal wöchentlich in der Sindelfinger Straße statt und ist deshalb vorrangig für die dort lebenden Kinder konzipiert. Nichtsdestotrotz ist das Angebot offen für die Kinder aller Unterkünfte.
Der Lebensalltag der Kindern in der Sindelfinger Straße ist gekennzeichnet durch die Unterbringung in Wohnungen mit räumlicher Enge, fehlenden Rückzugsmöglichkeiten und unzureichenden Spiel- und Lernmöglichkeiten. Die materielle Armut manifestiert sich für viele in der Absenkung des Sozialhilfesatzes, den geringen Barmitteln und eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten. Aber auch bei denjenigen Flüchtlingen, die Arbeit haben, ist die ökonomische Situation zumeist von Armut geprägt, da sie überwiegend im Niedriglohnsektor arbeiten,oft nur in Teilzeit. Der Verdienst liegt zumeist nur knapp über den Hartz-IV-Sätzen oder es braucht eine Aufsstockung nach Hartz IV. Die daraus resultierende Existenzangst oder Perspektivlosigkeit der Eltern führt oft zu Unsicherheit und Spannungen in den Familien. Die Eltern sind häufig mit ihren eigenen Problemen belastet und können den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht werden. Die Kinder sind viel auf sich allein gestellt.
Das KIT-Projekt ist ein besonderes Projekt, welches diese Kinder in den Fokus nimmt, sie so wahrnimmt, wie sie wirklich sind - voller Wünsche und Träume. Um diese Wünsche und Träume wahr werden zu lassen, das war die Grundeinsicht, bedarf es der Infor-mation, breiter Unterstützung und vor allem eines niederschwelligen Einsatzes vor Ort.
Ziel des Projektes ist es, im Kontakt und im Einvernehmen mit den Eltern für die Kinder und ihre Eltern Barrieren abzubauen und ihnen zu helfen, sich zurecht zu finden. Geplant war von Anfang als Voraussetzung für eine gelingende Teilhabe spielerisch die deutsche Sprachkompetenz der Kinder individuell zu fördern und so als Schnittstelle zwischen Elternhaus und Bildungseinrichtung unterstützend zu agieren.
Das KIT-Patenprojekt
Viele Flüchtlingsfamilien aus Tübingen haben Schwierigkeiten bei der Integration in Schule, Beruf und Kindergarten. Oft stehen dabei Sprachschwierigkeiten im Vordergrund, manchmal ist es auch das "andere System", das sie nicht kennen.
Das Patenprojekt soll freiwillig Engagierte im Umfeld des Asylzentrums gezielt mit einzelnen Tübinger Flüchtlingsfamilien zusammenbringen. Erstere können so den Familien bei den Anforderungen, die in Deutschland an sie gestellt werden, zur Seite stehen. Dabei stehen vor allem die Kinder im Vordergrund. Etwa zwei Stunden pro Woche sollten die Paten in und mit der Familie verbringen, sich erkundigen, wie es dem Kind in der Schule geht, vielleicht bei Formularen helfen und die Eltern beraten, vielleicht mit dem Kind Mathe üben oder einfach mal spielen.
Wichtig ist uns dabei, dass die Paten nicht unvorbereitet in die oft sehr fremden und manchmal auch befremdlichen Familienverhältnisse geschickt werden. Mit dem Geld der Weihnachtsspendenaktion 2010 des Schwäbischen Tagblatts hat das Asylzentrum nun auch die Möglichkeit, auf Honorarbasis eine Familientherapeutin mit guten pädagogischen Kenntnissen zu verpflichten, welche die Paten in ihrer Tätigkeit begleitet und betreut.
Die Veröffentlichungen zum Patenprojekt finden Sie unter den Seiten des Schwäbischen Tagblatts:
10.12.2010 Flüchtlingskinder in Tübingen: Besuch beim Spiele-Nachmittag des KIT-Projekts
17.12.2010 Ulrike Skuza und Christa Ullman vom Asylzentrum: Was bitte ist ein Rucksackvesper?30.12.2010 Hilfe für die Latifis: Patenprojekt des Asylzentrums soll Familien unterstützen
